Eine Tür ist genug

Beziehungsgeschichten im Jetzt...

Männerliebe

Gepostet Von am 21. Februar 2014 in Wer in der Liebe lebt | 22 Kommentare

MännerliebeFoto: creativemarc/clipdealer.com

„Mein Bruder Jonatan, mein bester Freund. Voll Schmerz und Trauer weine ich um dich; denn deine Freundschaft hat mir mehr bedeutet, als Frauenliebe je bedeuten kann.“ Mit diesen Sätzen endet das Klagelied Davids auf Saul und seinen Freund Jonatan im Buch Samuel.

Männerliebe. Gemeint ist nicht der augenzwinkernde Kumpelsatz am Männerstammtisch: „Mensch, wahre Liebe gibt es doch nur unter Männern“. Gemeint ist auch keine Herabsetzung der Liebe zwischen Männern und Frauen. Es handelt sich vielmehr um ein Bekenntnis. David bekennt sich zu seiner Liebe zu Jonatan, dieser einmaligen und von ihm nie wieder erlebten Liebe.

„Darum sollten wir auch nicht mehr von Homo-, Bi- und Heterosexualität sprechen, sondern nur noch von Liebe, die sich jederzeit zwischen zwei Menschen ereignen kann, welchem biologischen Geschlecht sie auch zugehören.“

Dass es Liebe zwischen Männern gibt, ist sogar dort umstritten, wo so viel von Liebe die Rede ist: in der christlichen Kirche. „Aber zwischen solchen Männern, da gibt es doch keine Liebe. Da geht es doch zu wie im Bordell“, empört sich ein Besucher einer kirchlichen Veranstaltung. Ich habe ihn nicht nach seinen Bordellerfahrungen gefragt. Was er aussprach, entspricht dem gängigen Vorurteil: Liebe gibt es nur zwischen Mann und Frau. Frauen mögen sich lieben, aber da ist kein Sex dabei. Bei Männern gibt es nur Sex, aber keine Liebe.

Dass Männer Männer lieben können mit allen Ausdrucksformen der Liebe einschließlich unserer sexuellen Begabung, muss ich nicht beweisen. Der große Psychoanalytiker Fritz Riemann hat in seinem Buch über die Liebesfähigkeit des Menschen festgestellt, dass die menschliche Liebesfähigkeit nicht geschlechtsgebunden ist und sich eine homosexuelle Liebe von einer heterosexuellen in nichts zu unterscheiden braucht. Sogar der mörderische Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz, musste einräumen, dass die Männer mit dem rosa Winkel lieber gemeinsam in den Tod gingen als sich trennen zu lassen, wenn einem von beiden ein Chance zum Überleben versprochen wurde.

David liebte Jonatan und Jonatan liebte David. Daran besteht kein Zweifel. „Als David aufgehört hatte mit Jonatan zu reden, verband sich das Herz Jonatans mit dem Herzen Davids, und Jonatan gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz.“ So beginnt ihre Liebesgeschichte, die nur eine kurze Blüte erlebt zwischen politischen Intrigen und mörderischen Schlachten, verfolgt von der Eifersucht und dem Hass des verlorenen Königs Saul.

Wenn wir von schwulen Männern sprechen, dann begrenzen wir unsere Vorstellungen auf Männer, „die nun einmal so veranlagt sind“. Aber homo- und heterosexuell liebende Menschen stehen sich nicht wie schwarze und weiße Schafe gegenüber. Unsere Normen propagieren gerne das Entweder – Oder. In unserer Lebenswirklichkeit begegnet uns aber weit häufiger das Sowohl – Als auch.

„Wie der Geist weht, wo er will, so weht auch die Liebe, wo sie will.“

Darum sollten wir auch nicht mehr von Homo-, Bi- und Heterosexualität sprechen, sondern nur noch von Liebe, die sich jederzeit zwischen zwei Menschen ereignen kann, welchem biologischen Geschlecht sie auch zugehören. Zu Recht hat Helmut Gollwitzer in seiner Auslegung des Hohenliedes Salomo geschrieben: „Jede Zweierbeziehung ist ein schlechthin besonderer Fall. Wie der Geist weht, wo er will, so weht auch die Liebe, wo sie will.“

Der Name für Gott in der Johannestradition ist Liebe: „Liebe Freunde, wir wollen einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott. Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott, und Gott lebt in ihm“. Ich höre schon die Stimmen kirchlicher Dogmatiker, die sagen: „Aber damit ist doch die geistig-geistliche Liebe gemeint, die Agape, die Nächstenliebe – doch nicht die körperliche Liebe, doch nicht Eros und Sexus.“

Diese Aufspaltung der Liebesfähigkeit des Menschen diente der Kirche durch Jahrhunderte hindurch dem Zweck, die Sexualität herabzusetzen und zu verteufeln. Ich antworte mit Thomas Mann, der in seinem Zauberberg bewundernd feststellen lässt: „Ist es nicht groß und gut, dass die Sprache nur ein Wort hat für alles, vom Frömmsten bis zum Fleischlich-Begierigsten. Liebe kann nicht unkörperlich sein in der äußersten Frömmigkeit und nicht unfromm in der äußersten Fleischlichkeit, sie ist immer sie selbst“.

Es ist nicht nur dumm, sondern geradezu bösartig, Liebe kategorisieren, normieren und auf die Beziehung von Frau und Mann reduzieren zu wollen. Liebe ereignet sich zwischen Menschen, ob sie Männer oder Frauen sind. Und niemand hat das Recht, Liebe zu verbieten und zu verleumden. Gerade die Kirche, die eine Propagandistin der Liebe sein müsste, sollte für die Liebe eintreten: an allen Orten, wo sie sich ereignet. Denn es kommt nicht darauf an, wen ein Mensch liebt, sondern ob und wie er das tut! Und ereignet sie sich unter Männern, sollte sich die Kirche besonders freuen. Denn was ist geeigneter, dem Frieden zu dienen, als Männerliebe?

Hans-Georg Wiedemann ist Pfarrer im Ruhestand

22 Kommentare

  1. Ein wunderschöner Text. Er sollte vielen... von Guido Rodhorst am 26. Februar 2014

    Guido Rodhorst 26. Februar 2014

    Ein wunderschöner Text. Er sollte vielen Menschen die Augen öffnen können. Der Absatz zu den Gefangenen in den KZs mit dem Rosa Winkel erinnert mich an das Gedicht von Erich Fried, in dem es heißt

    Es ist Unsinn sagt die Vernunft
    Es ist was es ist sagt die Liebe

    Es ist Unglück sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst
    Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
    Es ist was es ist sagt die Liebe

    Es ist lächerlich sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich sagt die Erfahrung
    Es ist was es ist sagt die Liebe

  2. Ob Jesus hetero-, homo-, bi- oder asexuell... von Tobias am 26. Februar 2014

    Tobias 26. Februar 2014

    Ob Jesus hetero-, homo-, bi- oder asexuell veranlagt war, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass für Jesus körperliche Nähe selbstverständlich und der Austausch von Zärtlichkeiten wichtig war:

    Eine Frau massiert Jesu Kopf mit Öl (Markus 14, 3).
    Jesus wäscht seinen Jünger die Füße (Johannes 13, 5).
    Der “Jünger, den Jesus liebte” liegt mit seinem Kopf auf Jesu Schoß (Johannes 13, 23).
    Judas verabschiedet sich von Jesus “mit einem Kuss”; Jesus verabschiedet sich von Judas mit den Worten “mein Freund” (Matthäus 26, 49 + 50).

    Hier wird deutlich, dass Jesus die Liebe nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt hat – nicht nur geistig, sondern auch körperlich!

  3. Je suis heureux de partager l’opinion de... von Jean-Marie RIVART am 27. Februar 2014

    Jean-Marie RIVART 27. Februar 2014

    Je suis heureux de partager l’opinion de mon nouvel ami allemand et ne manquerai pas , à l’avenir, de consulter son site .Tout ce que je pourrai faire en ce qui concerne l’ aide et la compréhension envers tous mes frères homosexuels de quelque nationalité qu’ils soient, sont miennes.

  4. Ich sehe in der Liebe zwischen David und Jonathan... von Christiam am 28. Februar 2014

    Christiam 28. Februar 2014

    Ich sehe in der Liebe zwischen David und Jonathan als eine Männerfreundschaft. Man kann ja auch Liebe für jemanden empfinden aus reiner Freundschaft. Ich sehe diesen ganzen Text als Privatauslegung des Herrn Hans-Georg Wiedemann.

  5. Es gibt wichtigere Themen als die Frage nach... von Johannes Heiner am 6. März 2014

    Johannes Heiner 6. März 2014

    Es gibt wichtigere Themen als die Frage nach sexueller Ausrichtung, auch wenn die EKD dies momentan offenbar anders sieht.
    In solchen Texten offenbart sich jedoch, dass die Grundlage der Bibel in dieser Kirche längst verlassen wurde. Stattdessen wird Gottes Wort missbraucht, um dem Götzen des Zeitgeistes zu opfern. Wo man hinschaut werden Verse aus dem Zusammenhang, kulturellen Kontext und ich weiß nicht was noch gerissen, um die eigene Ideologie zu stützen. Luthers Gebeine dürften bald einen vollwertigen Tunnel gebohrt haben…

    Ich bete für die Menschen in dieser “Kirche”, dass sie Gott in Seiner Heiligkeit erkennen und begreifen, was Agape-Liebe tatsächlich bedeutet und warum es SEHR gut ist, dass der griechische Text die Arten der Liebe unterscheidet. Und ich bete, dass Gottes Namen von Ihnen nicht weiter in den Schmutz gezogen wird indem Sie sich der Welt mit all ihrer Gottlosigkeit um den Hals werfen.
    Aber gleichzeitig werde ich klarer denn je Stellung beziehen gegen diese Institution, die Gott längst verbannt hat!

    • Der kulturelle Kontext ist also wichtig für... von Flandry am 6. März 2014

      • Ja, ich denke, dass der kulturelle Kontext... von Johannes Heiner am 7. März 2014

        • Danke, dass Sie antworten (und nicht nur... von Flandry am 9. März 2014

          • Ja, das ist der Unterschied. Ich verstehe zwar... von Johannes Heiner am 12. März 2014

  6. Antwort auf Johannes Heiner vom 12.3. (Hier fehlt... von Flandry am 14. März 2014

    Flandry 14. März 2014

    Antwort auf Johannes Heiner vom 12.3. (Hier fehlt irgendwie der “Antwort”-Button):
    Ich suche ich mir etwas aus der Bibel raus, selbstverständlich! Auch Sie tun das. Das ist sogar der normale Umgang.
    „Gott ist die Liebe“ – doch, auch das ist sehr wohl biblisch. 1. Joh 4,16. Ob Sie das als die „größte Eigenschaft“ Gottes verstehen – das ist wiederum Frage der Interpretation. Das dreifache „Heilig“, Sie sagen es ja selbst, muss im Kontext hebräischer Poetik und Kultur – ja: interpretiert werden. Bibel Lesen und Verstehen ist Interpretation. Nicht nur in einzelnen Inhalten, sondern insgesamt. Gott redet in der Bibel nicht zu Ihnen, Johannes Heiner, oder mir, Flandry. Sondern das Wort Gottes ist vermittelt.
    Sie meinen, mein Bibelverständnis sei anthropozentrisch. Mag sein. Wie aber steht es mit einem „zornigen“ Gott, der durch Missachtung seiner Gebote in seiner Heiligkeit „verletzt“ wird? Das sind doch wohl auch recht menschliche Vorstellungen, oder?
    Wenn Sie sagen, der Sinn der Gebote liege darin: „damit ihr lebt“, dann verstehe ich das genau so: Sie dienen dem Schutz des Lebens. Die Alternative wäre, es ginge Gott schlicht um die Überprüfung des Gehorsams. (Übrigens werden in der Bibel selbst immer wieder Gebote aufgehoben oder umgedeutet.) Jetzt frage ich Sie: Wieso glauben Sie, verbietet Gott bestimmte Formen von Sex, die niemandem schaden?
    (Noch eine Informationsfrage: Was ist „praktizierte Homosexualität“? Was wäre demnach „nicht praktizierte“? Danke.)

    • “Wieso, glauben Sie, verbietet Gott... von Chris am 18. März 2014

      • Johannes Heiner, sind Sie das? Klingt irgendwie... von Flandry am 19. März 2014

    • Ja, manchmal suche ich mir auch Dinge aus der... von Johannes Heiner am 19. März 2014

      • Hallo Johannes Heiner, Danke, für das mutige und... von Eva am 20. März 2014

        • Ich hab jetzt die Diskussion vor allem zwischen... von De Benny am 6. April 2014

  7. Ich möchte der FA und der MA der EKD erstmal... von Thomas Wilde am 19. März 2014

    Thomas Wilde 19. März 2014

    Ich möchte der FA und der MA der EKD erstmal danken, daß sie diese Website erstellt hat. Als Organisation reiht sich sie sich damit ein in eine gesellschaftliche Entwicklung, die der Ausgrenzung und Abwertung von Menschen entgegentritt wegen bestimmter Merkmale, hier die sexuelle Orientierung zum eigenen Geschlecht, Das pa0t eigentlich gut zur Verkündigung der Kirche, daß die Liebe zum Nächsten im Mittelpunkt stehen soll.

    Allerdings zeigt sich auch das Problem der Kirche. Warum sollte man oder frau überhaupt historisch tradierten Texten Bedeutung zumessen bzw. ihren Aussagen einen Wahrheitsgehalt.

    Wäre man oder frau in einem anderen Kulturkreis geboren, wären es andere Text und andere Aussagen. Wird vom Lesenden noch naturwissenschaftliches Denken und die Einsicht über historische Gegebenheiten hinzugezogen, bleibt kaum noch etwas jenseits persönlichen Erlebens – was aber letzten Endes auch nur ein Spiegel der jeweiligen kulturrellen Situation und Sozialisation ist.

    Wenn es aber kein persönliches Erlebnis eines Glaubens gibt? Da bleibt den Betroffenen wohl im Kern nur: Der Text muß einfach Gottes Wort mehr oder weniger wortwörtlich sein – ansonsten müßte man sich ja eingestehen, daß man irrte – und ohne Gott und Götter.dasteht.

    Emanzipation von dem in Kindheit und Sozialisation vermittelten Wissen scheint aber für Menschen die schwerste Aufgabe zu sein. Lieber Leiden homosexuelle Christen an Ihrer Kirche jahrelang, als sich zu emanziperen. Und wenn sie nicht an der Kirche leiden – die sich ja zunehmend offener zeigt, gibt es andere Gründe, warum sie sich nicht zeigen könnten.

    So bleibt zum Schluss: Nicht nur eine nennenswerte Zahl von Christen glaubt, sie müsse die Bibel wörtlich nehmen. Auch viele homosexuelle Männer und Frauen glauben, sie müßten sich nach wie vor verstecken, weil eben in ihrer Jugend Homosexualität noch fast ausschließlich abwertend behandelt wurde. Emanzipation würde beiden Gruppen helfen: Gläubige Heteros würden auf offene Schwule und Lesben treffen. Schwule und Lesben könnten sich Glaubensfragen zuwenden, ohne sich von Texten und Menschen verschrecken zu lassen, die nur im jeweiligen historischen Kontext erklärbar sind – dazu gehört auch die Gegenwart, trägt sie doch viele Facetten der Vergangenheit in sich. (Siehe aktuell Russland und die “Eroberung” von Staatsgebiet nach dem Modell des 18 Jhd.)

  8. es ist doch ziemlich abenteuerlilch, den AT-Text... von Tom am 3. April 2014

    Tom 3. April 2014

    es ist doch ziemlich abenteuerlilch, den AT-Text über die Beziehung von David und Jonathan im homoerotischen Sinn zu interpretieren – der Wunsch ist hier offensichtlich auch der Vater dieses Einfalls.
    Das Naheliegende dagegen ist einfach: das war eine tolle Freundschaft unter zwei Männern, beide Helden ihrer ZEit. (von der Moderation gekürzt)

    • Ich würde Dir Deine Empörung abnehmen. Aber... von De Benny am 6. April 2014

      • Interessant, dass du 1.Samuel 20,41 erwähnst und... von Niko am 28. Mai 2014

  9. Wie ist das denn zu verstehen? „Denn was ist... von Matthias Oesterle am 10. April 2014

    Matthias Oesterle 10. April 2014

    Wie ist das denn zu verstehen?

    „Denn was ist geeigneter, dem Frieden zu dienen, als Männerliebe?“

    Make love, not war!? Stell dir vor es ist Krieg, doch stattdessen sind alle ineinander verliebt? Ist das die Formel für den Weltfrieden? Kann man das wirklich ernst nehmen?

    Ist Liebe denn immer gleich Liebe? Kann die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind mit der Liebe im Sinne einer sexuellen Anziehung (egal welcher Orientierung) gleichgesetzt werden? Kann die Liebe Gottes und die Nächstenliebe mit „Männerliebe“ gleichgesetzt werden? Es gilt sehr wohl zu unterscheiden. Nicht nur die Bibel unterscheidet zwischen Agape, Eros und Philia.

    Was für ein Gewicht kann solch eine Argumentation haben, wenn man die Definition „Liebe“ vereinfacht, ja verfälscht?

  10. 2 Fehler fallen sofort ins Auge: a)... von Dr. Wichard v. Heyden am 15. April 2014

    Dr. Wichard v. Heyden 15. April 2014

    2 Fehler fallen sofort ins Auge:
    a) David-Jonathan. Ja, wenn man unbedingt will, kann man hier Homo-Erotik sehen. Aber man muss das schon sehr wollen. Der Text hat durchaus erotische Züge. Aber die hat Herr Putin auch, und der ist ein absoluter Schwulen-Hasser.
    b) Das Zitat aus 1. Joh 4 (Gott ist die Liebe etc.). Ich weiß nicht, was Dogmatiker sagen, das müssen Sie selber besser wissen. Denn das, was Sie hier bringen ist pure Dogmatik. Keine christliche, aber immerhin Dogmatik.
    EXEGETISCH, d.h. vom bloßen Text her, kann ich ihnen einfach nur sagen: Was Sie hier betreiben, geht über eine reine Begriffsverwirrung nicht hinaus. Das ist einfach nur Nonsense. Ich kenne keinen einzigen Kommentar zu 1 Joh, der ernsthaft derartige Erwägungen trifft. Ich kenne auch keinen exegetischen Aufsatz oder irgendeine Monographie zum 1. Johannesbrief, die das tut. Da ich die entsprechende Literatur bis etwa 2012 ziemlich umfassend im Blick habe, meine ich Grund für das diesbezügliche Urteil zu haben: Unsinn!

    Vielleicht lesen Sie ja mal irgendetwas zu 1 Johannes? Ist eine nette, kleine Schrift. Wird viel zu viel wegen Reizwörtern wie “Liebe” usw. als Steinbruch von irgendwelchen Dogmatikern benutzt (jetzt eben Gender-Dogmatik). Bei der geforderten Bruder-Liebe ist in keinem Fall etwas Sexuelles im Blick. Es geht vielmehr um den Zusammenhalt in der Gemeinschaft, die durch Verrat (wie durch den Judaskuss) oder Verleugnung bedroht ist. Diese Bedrohung ist massiv – und darum ist auch das Einschwören der Angeschriebenen auf das Band der Gemeinschaft (Liebe) so intensiv.

    Wenn man unter “Liebe” im Christlichen Glauben jetzt immer etwas Sexuelles verstehen wollte, dann könnte man die Botschaft Jesu ja gar nicht begreifen: “Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst”. Wie wäre denn das gemeint, wenn es hier um etwas Sexuelles ginge? Was müsste ich mir hier bildlich vorstellen?
    Lieber Herr Janson: Wenn Sie sich einmal die Mühe machen und einfach die verschiedenen Wortfelder zum Thema agapein miteinander vergleichen, dann werden sie relativ schnell selber darauf kommen, dass die Texte hier vollkommen anders funktionieren.
    Sie haben das Thema Dogmatik angesprochen: Sind Sie noch durch die Texte korrigierbar? Oder ist die vorgefasste Meinung aus der Gender-Szene für Sie die normative Instanz zum Verständnis der Schrift?

    • „Bruderliebe“ kann auch heißen, sich dafür... von Jens Janson am 29. April 2014

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