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Beziehungsgeschichten im Jetzt...

Der Plan war anders

Gepostet Von am 21. Februar 2014 in Beziehungsgeschichten | 3 Kommentare

Der Plan war anders© privat/Evangelische Frauen in Deutschland e.V.

Die Kreuzfahrt sollte eine Überraschung werden, hatten sich Kati und Jörg überlegt. Das wäre doch ein tolles Geschenk für Jörgs Schwester! „Oh nein!“, war Meikes Urteil zu dieser Idee. Bloß keine Kreuzfahrt – Aktivurlaub wäre schon deutlich interessanter gewesen für die Mittvierzigerin. Allerdings nicht in der Variante, die ihrem Bruder vorschwebte: Meike allein unter lauter Singles. „Oh Gott! Horror!“

Singles sind nicht bereit, Kompromisse einzugehen. Das ist eines der zahlreichen Vorurteile, die schnell zur Hand sind. Egoistisch seien sie, ist auch oft zu hören. Und zu anspruchsvoll. „Ein paar Ansprüche zu haben, finde ich nicht egoistisch. Viel schlimmer finde ich Paare, die nur noch zusammen sind, weil es das Leben einfacher macht, die sich dabei aber wahnsinnig auf den Geist gehen. Das kann ich mir nicht vorstellen.“

„Sofort Kinder bekommen ohne Berufspraxis – dann hat man doch nie eine Chance, im Beruf Fuß zu fassen. Man hat eigentlich gar keine Wahl.“

Meike wollte sich nicht abhängig machen, ohne auf eigenen Beinen stehen zu können. Nach einer kaufmännischen Ausbildung studiert sie Kulturwissenschaften, ihr langjähriger Freund wird Jurist. Sie will wieder ins Verlagswesen, aber als sie mit dem Studium fertig ist, sind die Printmedien in der Krise und bauen allerorten Stellen ab. Sie kann sich nicht aussuchen, wohin sie geht, muss nehmen, was sie findet. „Meine oberste Priorität war die Jobsuche, um überhaupt erst mal meine Existenz zu sichern.“ Ihr Liebster hat deutlich mehr Möglichkeiten, ist aber nicht kompromissbereit. Meike wird zur Generation Praktikum, sechs Monate hier, sechs Monate dort. Wenn die festangestellten Kolleginnen und Kollegen am Freitagmittag nach Hause gehen, sitzt Meike noch im Büro. Interessante Tätigkeiten, aber kaum Geld und noch weniger Perspektiven.

Ihr Vorsatz, auf eigenen Beinen stehen zu können, kostet sie die Beziehung. Die Liebe zerbricht. Drei Jahre Praktika und Fortbildung, dann war das Maß voll. „Nie wieder ein Praktikum!“, schwört sich Meike. Zwar findet sie Arbeit, lebt aber weitere zehn Jahren mit befristeten Verträgen. „Es ist doch irgendwie pervers, man hat eigentlich gar keine Wahl. Sofort Kinder bekommen ohne Berufspraxis – dann hat man doch nie eine Chance, im Beruf Fuß zu fassen!“

„Es ist nicht so schwer, jemanden zu finden. Aber man muss sich doch auch wirklich mögen.“

Meike lebt in einer Großstadt, fährt mit ihren Nichten in Urlaub, kümmert sich um die alt werdende Mutter und lernt auch Männer kennen. „Meist lernst Du Menschen über Bekannte oder durch Zufall kennen. Dann findet Dich jemand toll, man trifft sich.“ Manchmal wird mehr daraus, aber die Bekanntschaften sind nicht von Dauer. „Es ist nicht so schwer, jemanden zu finden. Aber wenn ich dann tausend Kompromisse schließen muss, ist das nichts für mich. Nur um einen Partner zu haben? Nein, man muss sich doch auch wirklich mögen!“

Ein fester Arbeitsplatz, eine Eigentumswohnung, ein lebendiges, tragfähiges soziales Netz: Meike hat viel erreicht. Und das alles noch mal auf Kopf stellen, wenn ein passender Mann um die Ecke kommt? „Klar! Das würde ich. Klar würde ich das.“ Nur eine Single-Kreuzfahrt würde sie deshalb noch lange nicht buchen.

3 Kommentare

  1. Singles immer Mangelwesen? Immer auf der Suche... von Nele am 27. Februar 2014

    Nele 27. Februar 2014

    Singles immer Mangelwesen? Immer auf der Suche nach dem eigentlichen Leben? Die Kirche sagt: “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.” Wo sind die Geschichten der Singles, die sich eigentlich rundum glücklich fühlen würden, wenn da nicht ständig Leute wären, die dich bedauern, dich zusammen mit wem richtig Netten (zwinker!) zum Essen einladen oder dich auf Parship aufmerksam machen. Das nervt!

    • Ach Nele, ist das ehrlich gefühlt... von schnatterinchen am 7. März 2014

      • Schnatterinchen, der hohe Preis tut meist sehr... von Anne Mareike am 19. Mai 2014

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